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Geprüfter Hilfsmittelexperte / Casemanager

Seit September 2009 bietet das Institut für Pflegewissenschaft der Privaten Universität Witten/Herdecke gGmbH (UWH) eine ca. 880 Stunden umfassende Weiterbildung zur Hilfsmit-telexpertin – Casemanagerin an.

Die Weiterbildung bereitet die Teilnehmer darauf vor, Betroffene bei einer angemessenen und wirtschaftlichen Versorgung mit Hilfsmitteln zu beraten und bei der Auswahl sowie An-wendung zu unterstützen. Die Beratung erfolgt neutral, unabhängig und ohne die Verfolgung eigener wirtschaftlicher Interessen am Verkauf oder Vertrieb spezieller Produkte.

Wozu Hilfsmittelexperten?

Die Durchführung der Hilfsmittelversorgungen verlangt ein umfangreiches Wissen und Fer-tigkeiten über die rechtlichen, technischen und medizinischen Hintergründe. Diese Kenntnis-se müssen dann mit der Situation des Hilfsmittelempfängers, den vorhandenen Ressourcen, sowie mit den zu erstellenden Rehabilitations-, Pflege- und Therapieplänen in Verbindung gebracht werden.

Die Unterstützung der Betroffenen umfasst den gesamten Versorgungsprozess: von der Analyse des Hilfsmittelbedarfs, über Beratung, Planung und administrative Betreuung bis hin zur Anleitung bei der Integration von Hilfsmitteln in den Alltag und der Evaluation der Versorgungssituation.

Bislang gibt es in Deutschland weder in der Aus- noch in der beruflichen Weiterbildung eine institutionalisierte Möglichkeit, sich das notwendige Wissen und die Fähigkeiten systematisch und qualitätsgesichert anzueignen.

Da die Weiterbildung nicht auf die Schaffung neuer Schnittstellen im Gesundheitswesen zielt, ist die Anbindung des Hilfsmittelexperten an die Qualifikation des Casemanagers sinn-voll und notwendig, um eine bessere Eingliederung des Hilfsmittelexperten in bestehende Versorgungsstrukturen zu erleichtern. Durch die Integration der Qualifikation zum Casema-nager sollen die Hilfsmittelexperten befähigt werden, im Bedarfsfall über die Versorgung mit Hilfsmitteln hinaus, auch die Versorgung mit anderen notwendigen medizinisch-pflegerischen Leistungen zu steuern und die Patienten bei der Bewältigung des Alltags, der erforderlichen Pflege und dem Aufbau persönlicher Netzwerke zu unterstützen.

Einsatzmöglichkeiten

Alle am Versorgungsprozess beteiligten Personen und Institutionen finden im Hilfsmittelex-perten einen zentralen Ansprechpartner, der zwischen den rechtlichen und sachlichen Be-langen auf der einen und den Bedürfnissen und Zielen des Betroffenen und seiner Pflege-personen auf der anderen Seite vermittelt. Der Hilfsmittelexperte trägt die Verantwortung für die Erarbeitung von tragfähigen Hilfeplänen und die Vorbereitung rechtsicherer Anträge auf Versorgung. Die Netzwerkarbeit auf Fall- wie auf Systemebene ist somit obligatorischer An-teil der Arbeit des Hilfsmittelexperten/Casemanagers.

Als Handlungsfelder bieten sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten in den bestehenden Struk-turen der Pflegeberatung, der stationären und ambulanten Pflege, bei Kostenträgern, Leis-tungserbringern sowie bei Herstellern an. Die bisherigen Erfahrungen bei der Anmeldung zeigen, dass die Weiterbildung zum Hilfsmittelexperten vorzugsweise von bereits gut qualifi-zierten Teilnehmern als ideale Ergänzung geschätzt wird.

Mit der Qualifizierung zum Hilfsmittelexperten / Casemanager ist in der Regel über eine An-passung an bestehende Aufgaben hinaus eine Erweiterung des Aufgabenfeldes verbunden.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich, dass die Weiterbildung zum Hilfsmittelexperten als ideale Ergänzung zur Abrundung bereits bestehender Qualifikationen etwa im pflegerischen oder therapeutischen Bereich gesehen wird. Dies trifft vor allen für Mitarbeiter zu, die im Bereich einer Schnittstelle arbeiten (beispielsweise Entlassungsmanagement, Überlei-tungspflege, Casemanagement) oder in einem Arbeitsfeld, dass auf andere Weise die strikte Trennung von Versorgungsbereichen wie stationäre und häusliche Versorgung überwindet, wie z.B. bei der Unterstützung von  Orthopädie- oder Rehatechnikern in der ambulanten Rehabilitation oder Ergotherapeuten an einem sozialpädiatrischem Zentrum.

Zielgruppen, Voraussetzungen zur Teilnahme

Die Weiterbildung richtet sich an Angehörige insbesondere folgender Berufsgruppen mit ein-schlägiger (d.h. in der Regel dreijähriger) Berufserfahrung:

  • Gesundheits- und Krankenpflegerin
  • Altenpflegerin
  • Heilerziehungspflegerin
  • Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin
  • Physio- und Ergotherapeutin
  • Ärztin

Für Gesundheitshandwerker, Mitarbeiter von Sanitätsfachhäusern und Homecare-Unternehmen ist alternativ eine um die Anteile Casemanagement und Wundversorgung re-duzierte zweistufige Weiterbildung zum Hilfsmittelcoach vorgesehen, diese umfasst ca. 660 Stunden (siehe Curriculum Hilfsmittelcoach auf www.hilfsmittelexperte.de). Erfahrungen und Erkenntnisse aus den ersten Lehrgängen zeigen, dass auch Angehörige dieser Berufsgrup-pen durchaus erfolgreich eine Ausbildung zum Hilfsmittelexperten/Casemanager durchlaufen können. Nach einer individuellen Eingangsprüfung ist dies im Einzelfall möglich. Gegebenen-falls ist zunächst die Weiterbildung zum Hilfsmittelcoach mit qualifizierenden Brückenkursen zu belegen.

Bei besonderen Berufsbiographien im Bereich der Hilfsmittelversorgung mit einem nicht auf-gelisteten Beruf ist ebenfalls eine Einzelfallprüfung und Entscheidung möglich.

Allgemeine Voraussetzungen zur Aufnahme in die Weiterbildung

  • Persönliches Engagement zur ziel- und bedarfsgerechten Versorgung mit Hilfsmitteln, Fähigkeit zum selbständigen Arbeiten und Lernen,
  • Infrastruktur zur Teilnahme am E-Learning (Internetzugang, E-Mail-Adresse etc.)
  • Möglichkeit des Besuches von Präsenzveranstaltungen in Witten-Herdecke und ggf. auch an anderen Orten innerhalb Deutschlands.

Ein spezieller Codex verpflichtet ausgebildete Hilfsmittelexperten zu einer herstellerunab-hängigen und neutralen Beratung. Mögliche Interessenskonflikte, etwa die wirtschaftliche Bindung an einen Hersteller oder einen Vertrieb müssen bekannt geben werden.

Aufbau der Weiterbildung

Informationsbroschüre

Der Hilfsmittelexperte auf WDR 4


Zusätzliche Information

Kontakt

Gudrun Bayer-Kulla
Mitarbeiterin
Tel.: +49 (0) 2302 / 926-757

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